Die Hoffnung noch auf einige Jahre „bisschen Leben“
 

Manchmal sollte man „den Schnabel halten“, bevor man über die eigenen Wehwehchen jammert. Hören Sie mir bitte kurz zu. Sie wissen dann, warum ich das so sage:  

 

In Bremen habe ich eine liebe Schulkameradin. Sie war in der Klasse eigentlich immer eines der lustigsten Mädchen – und weil ich im Zeichnen mit Sicherheit eine 5 bekommen hätte, pinselte sie mitunter dem Schultisch immer die vom Lehrer gewünschten Zeichnungen. Klassenlehrer Rolbitzki wurde misstrauisch und fragte „Wer hat dieses Bild gemalt“? Spontan steckte ich den Finger in die Luft und brüllte laut „Ich“. Pech für mich, daß meine Klassenkameradin, die neben mir saß, auch den Finger in die Luft steckte und aus voller Kehle schmetterte „Ich“. Noch heute treffen wir uns regelmäßig, erzählen uns diese Geschichten lachen zum „zigsten“ Male darüber. Eine 5 im Zeichnen bekam ich nicht, obwohl ich sie verdient gehabt hätte. Lehrer Kurt Rolbitzki wollte mir wohl das sonst gute Zeugnis nicht „versauen“und machte aus der 5 eine 4.

 

Aus der lustigen Klassenkameradin, sie heißt Renate, ist eine ernste Frau geworden. Ihr Sohn wurde mit 16 Jahren schwer depressiv. Damals war die Medizin noch nicht sehr weit auf diesem Gebiet. Mit 18 Jahren erhängte sich der Sohn an einem Friedhofsbaum. Renate ist stärker als ihr Mann Harald. Harald wurde nach dem furchtbaren Tod des Sohnes nervlich krank. Eine schlimme und sehr seltene Krankheit. Er zittert am ganzen Körper, geht torkelnd wie ein Betrunkener – und die Krankheit schreitet voran, ist nicht zu stoppen. Vor einigen Tagen sagte mir Harald: „Wenn ich im Rollstuhl lande, dann möchte ich nicht mehr leben“……………und meinte damit wohl, daß er dann „freiwillig“ seinem Sohn folgen will.


So glücklich machte ein Rollstuhl die gelähmte Frau

Vo reinigen Wochen konnten wir einer querschnittsgelähmten Frau in Lettland einen elektrischen Rollstuhl schenken – mit der Hilfe all unserer Freunde. Irena Parhomenko – so heißt sie – arbeitet ehrenamtlich für eine Invaliden-Organisation in Lettland und schrieb mir diese Zeilen, die auch Ihnen gelten:

 

Liebe Freunde in Deutschland,

 

ich möchte mich bei Ihnen herzlich bedanken fuer die finanzielle Hilfedes Elektro-Rollstuhls. Endlich erfüllten sich meine Hoffnungen, und es ist jetzt möglich fuer mich allein, ohne fremde Hilfe zu fahren.Zum erstmal in 13 Jahren werde ich die Möglichkeit haben, die Sommerzeit zu spüren und zu erleben, indem ich jetzt im Rollstuhl auf der Strasse längere Entfernungen überwinden kann. Ich hege den Wunsch, dass ich später imstande bin, im Rollstuhl sogar ein x-beliebiges Verkehrsmittel auszunutzen und dann könnte ich überall fahren, ohne von anderen abhängig zu sein.

 

Dieses längst vergessene Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit bei der Fortbewegung haben Sie mir geschenkt, sehr geehrter Spender! 


Vom ganzen Herzen möchte ich Ihnen Gesundheit und Erfolg wünschen  Moege Gott Sie fuer Ihre guten Taten segnen!


Ich bedanke mich nochmals aus tiefstem Herzen.


Ihre

 

Irina Parhomenko“

 

Diesen Brief habe ich Renate und Harald gezeigt. Harald fing an zu weinen, drückte mir die Hand und sagte nur leise „Danke“.


Verrückte Welt. Der eine will aus dem Leben gehen, weil er sich vor dem Rollstuhl fürchtet, für den anderen ist die Welt plötzlich rosa-rot, weil sich nach 13 langen Jahren endlich der Wunsch nach einem Rollstuhl erfüllt hat.


Dieser junge Kerl hofft noch auf einige Jahre „bißchen Leben“


Und dann das Schicksal von Reinis Runcis aus Lettland. Sehen Sie sich dazu nur die beiden Bilder von ihm an. Einmal das mit dem „Hänge-Gerüst“ und dann das mit dem jungen Mann und der Kranken-Gymnastin, ohne deren Anleitung er nicht mehr leben würde.  

 

Vielleicht erinnern Sie sich noch an diesen jungen Mann. Schlechter als ihm kannes einem Menschen kaum gehen: Nach einem Autounfall vom Kopf abwärts– total gelähmt.

 

Im Moment hat er eine Erkältung. Schlimm für ihn. Durch die Lähmung funktioniert ein Teil der Lunge nicht, die sich nun mit Schleim füllt und er hat nicht mehr die Kraft den Schleim auszuhusten. Ohne die Kranken-Gymnastin, die regelmäßig Druck auf seinen Brustkorb ausübt und ohne starkes Antibiotikum würde Reinis ersticken.

 

Viele Freunde haben dem jungen Mann geholfen. Hin und wieder kann er in einem normalen Rollstuhl sitzen, den dann die Mutter oder Freunde schieben. Aber die meisten Freunde kommen nicht mehr. In guten Zeiten gibt es viele Freunde, in schlechten werden sie rar.


Die Freunde sind weg – geblieben sind ihm die Mutter und eigene Gedichte


Reinis hat – rund ums Steißbein – Druckgeschwüre. Das schmerzt. Er bräuchte eine Spezial-Matratze gegen solche Geschwüre. Und trotzdem klagt Reinis nicht über sein Schicksal und sagt: „Ich kann ja noch sprechen. Ein Riesen-Glück für mich“. Reinis ist meist allein. Die Mutter muß arbeiten, um für den kranken Sohn Medikamente und Kranken-Gymnastik zu zahlen zu können. In der Einsamkeit fing Reinis an zu dichten. Kommt die Mutter am Abend nach Hause, dann spricht er ihr die Gedichte vor und sie schreibt die Texte auf.

 

Reinis hat keine lange Lebenserwartung mehr. „Nur noch einige Jahre“……..sagen die Ärzte. Reinis weiß das. Trotzdem klagt er nicht. Nur eine Sache – die ist für ihn schwer und kann ihn regelrecht umbringen: Die Kranken-Gymnastin verlässt Lettland und geht nach England, weil sie dort besser verdienen kann. Reinis: „Wie kann ich es ihr verübeln? Sie hat ja ein Recht auf ein besseres Leben.“


So können wir Reinis noch einige Lebensjahre schenken

 

Es hört sich so schrecklich an – stimmt aber. Ohne unsere Hilfe würde Reinis noch früher sterben. Schlimm, daß ich diesen Satz jetzt sage– aber er stimmt: Es liegt in unserer Hand, ob der junge Reinis noch einige Jahre auf dieser Welt bleiben darf.

 

Wir brauchen genau 4.200 Euro. Das ist das Jahresgehalt für eine Physiotherapeutin (Kranken-Gymnastin) in Lettland. Dazu 3.000 Euro für eine sogenannte Dekubitus-Matratze, die das schlimme Wundliegen verhindern kann. Das ist ein „Batzen Geld“. Zusammen 7.200 EURO! Aber es muß nur jeder von unseren Freunden einen Mini-Betrag geben. Einmalig oder über die Dauer eines Jahres. Das kann ja jeder selbst entscheiden.


Bitte, schreiben Sie zumindest eine Postkarte


Bitte, helfen Sie dabei. Wenn Sie Reinis eine bunte Postkarte aus Deutschland schicken möchten – er würde sich „riesig“ freuen, auch wenn er nicht antworten kann. Hier ist seine Adresse: 

Reinis Runcis, 

Detlava Brantkalna iela 6-17, 

LV-1082 Riga / Lettland.


Er hatte vor 6 Monaten schon einmal mehr als 100 Postkarten aus Deutschland bekommen. Reinis: „So glücklich wie damals war ich nie in meinem Leben. Diese Postkarten aus Deutschland haben mir gezeigt, daß mich der Herrgott nicht vergessen hat. Was sind die Deutschen nur für Menschen, daß sie einem Menschen helfen, den sie nicht einmal persönlich kennen………..?“


Muß ich mehr sagen? Bitte, schenken Sie dem jungen Mann noch einige Jahre Leben. Wenn nur jeder 5 Euro gäbe…………… Danke im voraus.


Viele liebe Grüße 

Ihr

Joachim Siegerist